GfM-Jahrestagung 2016 ‚Kritik!‘ / Panel der AG Fotografieforschung ‚Fotografie als selbstkritische Praxis‘ – 30.09.16, 14h00

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft zum Thema ‚Kritik!‘ an der Freien Universität Berlin vom 28.09. – 01.10.2016 findet am Freitag, 30.09., von 14h00 bis 16h00 in Raum A (L 115) das Panel der AG Fotografieforschung mit dem Thema ‚Fotografie als selbstkritische Praxis‚ statt.

Nähere Informationen zur Jahrestagung:
http://www.gfm2016.cinepoetics.fu-berlin.de/

Das Panel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Kritik am Medium dadurch verändert, dass man sie medienpraktisch betreibt. Wird die Kritik durch die dabei entstehenden Paradoxien ihrer Plausibilität beraubt? Oder gewinnt sie gerade besondere Relevanz, weil sie zugleich die Möglichkeit einer anderen Praxis aufzeigt? Um dies genauer einzuschätzen zu können werden u.a. zwei Ansatzpunkte fotografischer Selbstkritik unterschieden. Zum einen kann es ihr um die spezifischen, oft ontologisierten Grenzen des Mediums gehen. So kann die fotografische Serie als Kommentar zur Fragmentarität des Einzelbildes verstanden werden, eine Retusche oder digitale Überarbeitung eines Bildes als kritische Anzeige der Defizite fotografischer Bedeutungsstiftung (wie etwa bei Andreas Gursky). Zum anderen kann sich die Selbstkritik des Mediums auf eine aktuelle oder vergangene Praxis des Mediums richten. So positioniert sich Sherrie Levines Serie After Walker Evans etwa kritisch in Bezug auf die Fetischisierung des vintage prints, wie sie für den Kunstmarkt charakteristisch ist. Internet Memes können wiederum als populäre, parodistische Form der Dekonstruktion fotografischer Ikonen gelten. Auch wenn selbstkritische Reflexionen der Fotografie typischerweise im Rahmen von Kunst anzusiedeln sind, lassen sie sich auch in populären Formen wiedererkennen. In jedem Fall geht es darum, Formen, Situationen und Kontexte zu identifizieren, die eine selbstkritische fotografische Praxis sowohl markieren als auch ermöglichen.

Abstract des Panels:
Panelabstract_2016

Panel-Programm:
Chair(s): Jens Ruchatz (Philipps-Universität Marburg), Kay Kirchman (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen), Andreas Sudmann (Freie Universität Berlin)

– Stockphotography in der Selbstkritik? Zur Bildpraxis des Kunstkollektivs DIS
Susanne Holschbach, Universität der Künste Berlin

– Zwischen Kritik und Neu-Konfiguration: Hito Steyerls und Martha Roslers dokumentarische Theorien und Praxen
Daniel Bühler, Brandenburgische Technische Universität

– Selfies, die Selfies kritisieren: Formen und Funktionen
Rainer Hillrichs, Universität Mannheim

Panel-Programm mit Vortrags-Abstracts:
Jahrestagung-der-GfM-2016-Panel-Fotografieforschung

Nachlese zum Workshop „Methoden der Fotoanalyse“

Am 1. und 2. Juli fand an der Universität Erlangen-Nürnberg der Workshop „Methoden der Fotoanalyse“ statt, der von der AG Fotografieforschung gemeinsam mit dem in Erlangen angesiedelten Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen Zentrum ausgerichtet wurde. Freundlicherweise hat Anna Zeitler vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft in Erlangen einen Tagungsbericht zusammengestellt, der für die Anwesenden wie  Nicht-Anwesenden zusammenfasst, welche Fragen der Workshop in den zwei produktiven Tagen mit welchem Ergebnis diskutiert hat.

Den Tagungsbericht finden Sie hier: Workshop Fotoanalyse – Nachlese.

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit und die Sehnsucht nach der fotografischen Wahrheit

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Website des Fotoateliers „slow photography berlin“ von Oleg Farynyuk

In Zeiten der digitalen Kultur 2.0 blüht das Hipstertum, das nicht nur dem Vollbart eine Renaissance verschafft, sondern auch alte, umständliche und daher in vieler Hinsicht zurecht abgelöste Technologie wieder entdeckt. Dahinter steckt die – wenn auch in der Regel unreflektierte – technik- und medientheoretische Einsicht, dass sich die Wahl der Technik in das mit ihr Hergestellte einschreibt. Im Kontext dieser Technik-Nostalgie stößt man nun offensichtlich, wie ein von Hannes Vollmuth am 30. Juli diesen Jahres in der Süddeutschen Zeitung publizierter Artikel berichtet, in Berlin – wo auch sonst? – auf einen Porträtisten, der sich des Nass-Kollodium-Verfahrens bedient, jenes aufwändigen Prozesses aus dem 19. Jahrhundert also, bei dem das Herstellen der Platte, die Aufnahme und deren Entwicklung in einer Kette flüssig aufeinander folgen müssen. Nach Stephan Jacobs, Alex Timmermanns oder Borut Pertelin hat also der in Berlin lebende Ukrainer Oleg Farynyuk das Nass-Kollodium für sich entdeckt. Was mich an diesem Phänomen interessiert, ist nicht die nahe liegende Frage, ob das nostalgischer Kitsch sei, sondern das damit verbundene Versprechen einer Fotografie, die zur Wahrheit befähigt sei, weil sie, so Vollmuth, keine Posen zulasse: „Das Gegenteil von Selfie: Eine uralte Fototechnik […] lässt keine Posen zu. Sie zeigt die Menschen, wie sie wirklich sind.“ 30 Sekunden seien zu lange für das Posieren, sodass die für den Fotografen Sitzenden am Schluss auf das zurückgeworfen wären, was sie wirklich seien. Der Porträtfotograf Farynyuk raunt ebenfalls: „Du musst bereit sein für ein Porträt, über das du keine Kontrolle mehr hast.“ Die Fotografie wird also zum Schlüssel, Sichtbarkeiten jenseits des Gewohnten Keep Reading

Fotobücher als multimodale Metaphern – Eine Skizze

Metaphern sind kein sprachliches Phänomen. Metapher sind kognitive Prozesse, die beinhalten, dass Aspekte und Merkmale eines konzeptuellen Bereiches auf einen anderen konzeptuellen Bereich übertragen werden. Das ist die Grundannahme der Conceptual Metaphor Theory (CMT) nach George Lakoff und Mark Johnson (1980, 2003). Konzeptuelle Bereiche sind in diesem Zusammenhang z.B. mentale Repräsentationen und kognitive Schemata. Die kognitive Übertragung kann auf unterschiedliche Weisen realisiert werden, z.B. sprachlich. Sie kann aber auch auf viele andere Weisen realisiert werden, z.B. bildlich, klanglich, geruchlich, haptisch usw.. I.d.R. hat die Übertragung zum Ziel, den Zielbereich (besser) verstehen zu können. Wenn die Bereiche der Übertragungen mindestens mittels zwei verschiedener Modi, d.h. auf zwei unterschiedliche Weisen dargestellt werden, z.B. bildlich und sprachlich, bezeichnet Charles Forceville (2007, 2008, 2009) sie als multimodale Metaphern.

In einem kurzen Essay möchte ich darüber nachdenken, ob die Überlegungen zur multimodalen Metapher für die Analyse von Fotobüchern fruchtbar sein können. Ich nehme an, dass die Betrachtung von Fotobüchern mittels des Ansatzes der multimodalen Metaphern beschrieben und nachvollzogen werden kann. Fotobücher entfalten auf multimodale Weise Bedeutung und Wirkung, d.h. Fotobücher enthalten nicht lediglich fotografische Bilder. Sie enthalten meist Text, haben eine gewisse Größe, einen ausgewählten Einband, gewisses Papier und einen gewissen Geruch. Der Text ist in einer Schriftart gesetzt. Die Bilder sind auf eine gewisse Weise im Buch und auf den Seiten arrangiert. Alle diese Aspekte tragen zur Bedeutung und Wirkung von Fotobüchern bei. Ich denke, dass die Aspekte ebenfalls dazu verwendet werden können multimodale Metaphern zu realisieren. Dabei werden gewisse Eigenschaften und Merkmale eines Bereiches auf die Fotobücher übertragen. Ich gehe in dem Essay zunächst auf die CMT ein. Anschließend beschreibe ich ein Beispiel einer multimodalen Metapher und stelle die Überlegungen zur multimodalen Metapher nach Forceville vor. Zum Abschluss versuche ich anhand von drei Beispielen zu zeigen, dass Fotobücher als Realisierungen multimodaler Metaphern verstanden werden können.

Den Essay können Sie hinter folgendem Link laden:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nkf/article/view/59518

Ich freue mich über Anregungen und Kritik. Gerne als Kommentar an dieser Stelle oder z.B. per E-Mail an: d.buehler at b-tu.de

Workshop 2016 der AG Fotografieforschung „Methoden der Fotografieanalyse“

Am 1. und 2. Juli 2016 findet am Institut für Medienwissenschaft der Universität Erlangen der Workshop „Methoden der Fotografieanalyse“ statt. Neben der AG Fotografieforschung tritt das Interdisziplinäre Medienwissenschaftliche Zentrum in Erlangen als Veranstalter auf.

Ausgehend von der Beobachtung, dass es kaum etablierte Methodiken zur Fotografieanalyse gibt, nimmt sich der Workshop vor,methodische Probleme und Versuche zu ihrer Lösung zu reflektieren. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welche besonderen Anforderungen das Medium Fotografie – in seinen disparaten Ausprägungen – an die Analyse von Bildern stellt. Der technische Charakter des Bildes soll dabei ebenso angesprochen werden wie etwa die Fülle des Bildmaterials.Die eingereichten Themen bilden die Heterogenität des Mediums gut ab und geben so auch Gelegenheit darüber nachzudenken, ob für die Fotografie überhaupt so etwas wie allgemeinverbindliche methodische Eckpfeiler zu identifizieren sind.

Das Programm der Veranstaltung findet sich hier: Workshop_2016_Programm.

Der Workshop legt den Schwerpunkt auf die gemeinsame Diskussion. Daher werden die Papiere den TeilnehmerInnen vorab zur Verfügung gestellt und beim Workshop selbst nur in einem kurzen Impulsreferat noch einmal aufgerufen.Die vorherige Lektüre der eingereichten Papiere bildet mithin die Grundlage der Diskussion.

Der Workshop steht allen Interessierten offen, zur Organisation wird jedoch unbedingt um die vorherige Anmeldung an Anna Zeitler (annazeitler[at]gmx[dot]de) gebeten.

CfP zum Workshop 2016 der AG Fotografieforschung „Methoden der Fotografieanalyse“

Call for Papers für den gemeinsamen Workshop der AG Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft und des Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen Zentrums (IMZ) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Methoden der Fotoanalyse“

Sieht man einmal von Roland Barthes‘ Rhetorik des Bildes (1964) ab, scheint es kaum kanonisierte Methoden der wissenschaftlichen Analyse von Fotografien zu geben. Dies dürfte in vielfacher Hinsicht dem Status der Fotografie als technisch produziertes Einzelbild geschuldet sein, weswegen es gerne unter allgemeine Formen der bildwissenschaftlichen Analyse im Spannungsfeld von Semiotik und Phänomenologie subsumiert oder gleich ganz dem kunstwissenschaftlichen Repertoire (Ikonographie, Ikonologie, Ikonik) überantwortet wird. Dies wird jedoch erkauft durch eine medienwissenschaftlich unbefriedigende Absehung von der fotografischen Materialität und Medialität (und deren historischen Wandlungen). Eine weitere Herausforderung dürfte die hochgradige ‚Träger‘-Flexibilität der Fotografie darstellen, die sich darin äußert, dass ein fotografisches Bild nicht nur in verschiedenen Materialisierungsformen (Papierabzug, Projektionsbild, Display etc.), sondern auch in ganz unterschiedlichen Kontexten (Buch, Zeitschrift, Plakat, digitale Oberflächen etc.) erscheinen kann. Eine Fotografieanalyse, Keep Reading

Ausstellung: Germaine Krull (Berlin bis 31.1.16)

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Germaine Krull: Métal, 1928

Zwei Dinge, die ich an der Ausstellung bemerkenswert fand: Gut ist, zumindest einge aufgeschlagene Bücher und Zeitungsseiten sehen zu können, denn das ist die Form in und für die Krull gearbeitet hat: Typografie, Montage und Narrativierung sind Teil des fotografischen Projekts. (Die Ausstellung bleibt leider am Vintage-Objekt hängen; warum nicht ein Video, in dem die Bücher durchgeblättert werden? Eine digitale Version?) Außerdem wird die feministische Verve Krulls irre fassbar: autofahren, rauchen, Frauen fotografieren. Ihre berühmt gewordenen Porträts späterer Berühmtheiten und die Fotografien, die zu Parismythosmotiven geronnen sind – Eiffelturm in Untersicht, Schaufensterpuppen, clochards, marché aux puces –, haben fast verdeckt, dass Krull z.B. für Vu eine wunderbare Reportage über Arbeiterinnen gemacht hat, in der es irgendwie um Hände geht (1932).

Die Ausstellung wurde von Michel Frizot für das Jeu de Paume konzipiert, ist bis 31.1.16 im Martin-Gropius-Bau zu sehen (Katalog).

JPEGs und die Regulierung der technischen Reproduzierbarkeit

Digitale Reproduktion einer Variante des Internet-‚Memes‘ Crasher Squirrel, das ein Mash-Up zweiter digitaler Bildreproduktionen darstellt, die wiederum… (Quelle: http://i1.kym-cdn.com/photos/images/facebook/000/008/676/moon-landing-crasher-squirrel-22124-1250268127-25.jpg)

Fotografie ist von jeher unter anderem über die technische Reproduzierbarkeit ihrer Bilder definiert worden. So hat Roland Barthes in Die helle Kammer treffend als eine mediumspezifische Paradoxie ausbuchstabiert, dass die Fotografie unendlich zu reproduzieren vermöge, was nur einmal stattgefunden habe. Verantwortlich für die Reproduzierbarkeit ist die Verdoppelung der fotografischen Abbildung im Negativ-Positiv-Verfahren: Für die Einmaligkeit einer Fotografie steht das Negativ ein, das auf eine bestimmte Raum-Zeit-Konstellation in der Wirklichkeit referiert; das Negativ kann dann jedoch seinerseits zur Grundlage einer mehr oder weniger unbegrenzten Anzahl von Abzügen werden, die wiederum auf fotografischem Wege von ihm gewonnen werden. Zumindest seit es Glasnegative gibt, also ca. ab 1850, können fotografische Aufnahmen daher in hohen Auflagen kursieren. Es bestanden freilich auch Möglichkeiten Bilder zu vervielfältigen, ohne über das Negativ zu verfügen. Fotopiraterie sah im 19. Jahrhundert so aus, dass man einfach einen Abzug abfotografierte und so ein entsprechendes Negativ gewinnen konnte, zwar mit etwas schlechterer Auflösung, aber ebensogut reproduzierbar. Solange die Bilder sich materialisieren mussten, um verkauft zu werden, bot das Urheberrecht den Inhabern allerdings einen guten Schutz gegen unerlaubte Vervielfältigung. Aus eben diesem Grund waren es gerade die kommerziellen Anbieter von Fotografie, die daran interessierte waren, dass die Fotografie zur Kunst erklärt werde, um unter den Schutz des Urheberrechts zu fallen.

Die Digitalisierung der Fotografie hat die Negativ-Positiv-Differenz aufgehoben und an ihre Stelle die Differenz Datensatz-Display gesetzt. Vervielfältigung sieht nun so aus, dass derselbe Datensatz wieder und wieder angezeigt oder ausgedruckt werden kann. Zugleich ist aber auch dieser selbst unendlich oft reproduzierbar, sodass sich die Einmaligkeit des Negativs in eine Multiplizität desselben Datensatzes auflöst. Auch bei der Reproduktion eines Datensatzes Keep Reading

Selfies on Display: Nun auch im White Cube

Heute wird in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe die Ausstellung von Rembrand zum Selfie eröffnet: Das Museum öffnet dem Selfie seine Pforten, indem es die Geschichte des Selbstporträts als Rahmen anbietet. In diskursiver Form ist diese Verbindung natürlich schon längst gezogen worden, früh und in der prominentesten Form in einem kunsthistorischen Essay von Jerry Saltz, ohne den kunsthistorischen Rattenschwanz auch schon 2013 von Noah Berlatsky. Eine Kolumnistin der Zeitung Guardian, Jessie Judge, fühlt sich durch den Vergleich mit Rembrandts Selbstporträts bemüßigt dafür zu plädieren, dass wir mehr reflektierte, ‚ehrliche‘ Selbstergründungen brauchen als eine Flut von geknipster Selbstbesessenheit: „The selfie threatens to distract us from what Rembrandt did: looking at ourselves closely, honestly, but compassionately“. Sie argumentiert, nicht unbegründet, dass das Selfie kein Selbstporträt sei, erhebt aber eben dies zum Symptom einer Krise: Mehr Selbstporträts also, weniger Selfies. Der Fotografiephilosoph Daniel Rubinstein wiederum hebt gerade das Spielerische, die schlichte Abbildung Transzendierende, ja gerade das Verlogene hervor, um für den Kunstcharakter des Seflies zu plädieren: Das Selfe ist das erste Kunstwerk des Netzwerkzeitalters, weil es sich nicht mit Beschreibung, Repräsentation oder Imitation zufriedengibt“, schreibt er im Katalog zu einer zweiten aktuell laufenden Ausstellung, die sich im Düsseldorfer Kunstformum NRW exklusiv dem Selfie widmet. Unter dem Label „Ego Update“ fahndet diese Ausstellung nicht nach der Vorgeschichte des Selfies, sondern nach der „Zukunft der digitalen Identität“. 

Doch warum sucht man die digitale Identität nicht dort, wo sie konstruiert, gelebt und kommuniziert wird, also online, sondern in den gediegenen Räumen eines Museums? Ob man dem Selfie damit einen Gefallen tut, es aus seinen alltäglichen Zusammenhängen in der Onlinekommunikation zu reißen und in etablierte Kunsträume zu hängen, möglicherweise noch in Zusammenhang zu einem etablierten künstlerischen Genre, scheint mir diskutabel. Der „white cube“ von Galerien und Museen stellt eine radikal andere Form des „Sharing“ dar als die Plattformen des Social Web. Was passiert mit dem Selfie im Museum – transformiert es sich dort in ein Porträt oder zeigt es dort eher an, dass es diesem Anspruch nicht genügt – oder sich ihm nicht fügt?

In aller Regel stellen Selfies nun mal nicht Dauerhaftigkeit beanspruchende Ergründungen einer Person dar, sondern bilden Elemente einer Reihe von Kommunikationen auf einer Online-Plattform, in der einer Nachricht eine andere Nachricht abfolgt, ein Bild das nächste ersetzt. Das Selfie fungiert normalerweise als zeit- und ortsspezifische Aussage und Kommunikationssauforderung: „Ich bin hier“, wie es der Titel der Karlsruher Ausstellung erstaunlicherweise als übergreifendes Motto auch des Selbstporträts in Anschlag bringt. Aber auch weiter: Was sagt Ihr dazu? Und wo seid Ihr? Was macht Ihr gerade? Wart Ihr auch schon mal hier? Wenn sich so etwas wie Identität ergeben sollte, dann am ehesten noch wie beim Wiederlesen eines Tagebuchs, das auch disparate, aus dem Moment entstandene Eindrücke verschriftet, um Keep Reading

Workshop „Probleme der Corpusbildung“

Am Donnerstag, den 21.05.2015, findet an der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig der Workshop „Probleme der Corpusbildung“ der AG Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft statt. Den Rahmen dafür gibt das DFG-Graduiertenkolleg 1843 „Das fotografische Dispositiv„.

Der Workshop wird sich mit einem für die Fotografieforschung zentralen methodischen Problem auseinandersetzen: der Corpusbildung, also der Auswahl des in Forschungsarbeiten zu bearbeitenden Materials. Gerade bei einem technischen Reproduktionsmedium wie der Fotografie, das fast von Anfang an durch Quantität auffällt, scheint es unerlässlich sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Doch nur selten wird sie überhaupt aufgeworfen.

Im Rahmen des Workshops sollen ausgehend von konkreten Forschungsvorhaben Probleme, Verfahren und Erträge von Corpusbildung diskutiert werden. Die vorgestellten Themen reichen von digitalen Bildern im Internet über Archive professioneller Pressefotografie bis hin zu künstlerischen Oeuvres. Es ist zu hoffen, dass mit dem Workshop eine fortlaufende methodologische Diskussion initiiert wird.

Das Programm der Veranstaltung findet sich hier: Ablaufplan_WorkshopCorpusbildung_210515

Gäste sind herzlich willkommen, werden aber gebeten sich sich vorab unter der Adresse d.buehler@hbk-bs.de anzumelden.