Noch einmal zum Fotobuch – Skizze und Kritik des Forschungsfelds

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Einer der besprochenen Bände aus dem Steidl-Verlag

In den letzten Jahren ist die gedruckte Fotografie stärker in den Mittelpunkt der fotogeschichtlichen Forschung gerückt. Das ist sicherlich überfällig, denn die Ubiquität der Fotografie, ihre immense und kulturprägende Verbreitung im 20. Jahrhundert, ist weniger den fotochemisch erzeugten Abzügen zuzurechnen als den photomechanisch vervielfältigten Bildern, die auf Plakaten oder Prospekten, in Büchern oder in Zeitschriften, selbst auf Bechern oder T-Shirts erscheinen. Dass man sich der in Druckform verbreiteten Fotografie widmet, bedeutet also grundsätzlich eine Zuwendung zu den populären und massenmedialen Gebrauchsweisen des Mediums. Es sollte außer Frage stehen, dass es sich hier um ein zentrales Forschungsfeld auch der medienwissenschaftlichen Fotografieforschung handeln muss, insofern sich die Fotografie hier mit anderen Medien – der Zeitschrift, dem Buch, dem Flugblatt oder dem Plakat – verbindet, wir also mit dem Phänomen von Medien in Medien zu tun haben. Was passiert mit der Fotografie, wenn sie im Kontext des Buchs auftaucht? Was bedeutet es für die Zeitschrift, wenn sie fotomechanisch reproduzierte Fotografien aufnimmt?https://steidl.de/assets/images/-UTQ3ZS2XJH72dkY3BmJudWbt4O3q,XlLGyoa52bGPBsX++EB25hMdDdBVL8fitBkWdaBM,L3bnk=/9783869304335_1.jpg.jpg

Wie ich auf diesem Blog schon dargelegt habe, scheint es mir vor diesem Hintergrund umso irritierender, in welche Richtungen sich die aktuelle Fotobuchforschung bewegt. Um den problematischen Fokus auf die ästhetische Nobilitierung weiter zu problematisieren, habe ich im vergangenen Jahr für eine Sammelrezension der Zeitschrift MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews einige derjenigen Anthologien besprochen, die das Feld der Fotobuchforschung in den letzten Jahren definiert haben. Nun stelle ich hier eine erheblich erweiterte und in ihren theoretischen Kontextualisierungen vertiefte Version zur Verfügung, um die Debatte über das Fotobuch stärker auf dem Terrain der Medienwissenschaft zu führen. Eine Diskussion zum Thema erscheint mir wichtig, um die medienwissenschaftliche Position in der Fotografieforschung deutlich und für die zukünftige Ausrichtung des Feldes produktiv zu machen.

Fotografie im Reise- und Motorjournalismus

 

Reisen und Fotografie – eine terra incognita? CC0-License, Dariusz Sankowski, unsplash.com

„Die Erfindung der Fotografie beginnt mit einer Reise – und einer Ent­täuschung. William Henry Fox Talbot stellt 1833 am Ufer des Comer Sees in Italien fest, dass er das, was er sieht, nicht zeichnen kann. Anders seine Frau und seine Schwestern. Weder die Camera Lucida noch die Camera Obscura, die Talbot zehn Jahre zuvor als Zeichenhilfe ausprobiert hatte, führten zu befriedigenden Ergebnissen. Talbot fragte sich, wie er das Gesehene fixieren könne, diese ‚inimitable beauty of the pictures of nature’s painting which the glass lens of the Camera throws upon the paper in its focus‘ (Talbot o. J.). So war die Idee der Fotografie geboren.“ (Haarkötter/Runge 2016, S. 41)

Die Fotografie des 19. Jahrhunderts war lange eine Fotografie der reisenden Forscher und Expeditionsleiter und weniger eine Fotografie der Amateure. Ihre Erfindung fiel in denselben Zeitraum wie die wachsende Mobilität der Massen, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung, die Eisenbahn und die Gründung erster Reisebüros entwickelte. In der Forschung ist die Fotografie als elementarer Bestandteil des Reisejournalismus und später des Motor- und Mobilitätsjournalismus bislang wenig beachtet worden. Das ist umso erstaunlicher, da erstens gerade der Reise- und Motorjournalismus in der Kritik stehen, eng verknüpft mit Interessen der Tourismus- und Autoherstellerbranche zu sein und sich hier vielfältige Forschungsfragen für die Medien- und Kommunikationswissenschaft bieten. Zweitens stellen sich Fragen nach dem Status von Amateurbildern von Reisen im Internet – im Anschluss an Hans Magnus Enzensbergers berühmte „Theorie des Tourismus“. Er hatte bereits 1958 kritisch darauf hingewiesen, wie der Reisende zum inoffiziellen Mitarbeiter der Tourismusindustrie wird. Die Motive, die er selbst fotografiert und zuhause zeigt, reproduzieren Stereotypen: „Die bunten Aufnahmen, die der Tourist knipst, unterscheiden sich nur in den Modalitäten nach von jenen, die er als Postkarte erwirbt und versendet.“ (Enzensberger 1962, S. 166)

Wie empfindlich übrigens Rezipienten darauf reagieren, wenn Sehgewohnheiten und visuelle Stereotype über Reisen gebrochen werden, musste Martin Parr feststellen: Seine Fotoserie „Last Resort“ (1985) aus dem Seebad New Brighton in Großbritannien bricht bewusst mit der positiv-affirmativen Visualisierung von Tourismus. Rezipienten warfen ihm daraufhin Despektierlichkeit vor. Heute werden Parrs Aufnahmen aus New Brighton in Museen ausgestellt – und gehen als Postkarten selbst auf Reisen.

Zum Weiterlesen:

Die Neuerscheinung, unter anderem zum Thema Fotografie im Reise- und Motorjournalismus: Hektor Haarkötter/Evelyn Runge: „Motor/Reise. Basiswissen für die Medienpraxis“, Journalismus Bibliothek 12, Herbert von Halem Verlag, Köln 2016.

Der Klassiker: Hans Magnus Enzensberger: Eine Theorie des Tourismus. In: Hans Magnus Enzensberger: „Einzelheiten“, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1962, S. 147-170.

Zum Weiterschauen:

Beispiele aus der historischen Reisefotografie, etwa aus dem Nahen Osten, sind in den Datenbanken des Bildarchivs Foto Marburg und im Bildindex der Kunst und Architektur zu finden.

Martin Parrs Fotoserie „Last Resort“ (1985) in der Datenbank von Magnum Photos.

„Ökonomie der Fotografie: Beobachtungen zum globalen Markt der Bilder“

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© Peggy_Marco, CC0-Lizenz, pixabay

Seit Anfang der 1990er Jahre ändert sich der Markt der Bilder rasant – die Digitalisierung ermöglichte es, schnellere Produktions- und Distributionsstrukturen für Fotografien und Bewegtbilder zu etablieren. Zunehmend verwischen die Grenzen zwischen professionellen Fotografen und Amateuren: Internet-Plattformen und Social Media-Nutzung verändern die Arbeit von Fotografen und Fotojournalisten. Mitunter werden Amateurfotografen zu ihrer Konkurrenz, sowohl im News- als auch im Stockfoto-Bereich. Die Arbeitsbedingungen für Fotografen und Fotojournalisten sind nicht einfach, Honorare für journalistische Fotografie nicht üppig, und auch die Finanzierung von Langzeitprojekten und/oder aufwändigeren Reportagereisen wird nicht unbedingt von den Auftraggebern übernommen. In meinem Artikel „Ökonomie der Fotografie: Beobachtungen zum globalen Markt der Bilder“, erschienen in MEDIENwissenschaft 03/2016, zeige ich exemplarisch die Entwicklungslinien des globalen Bildermarkts und der Ökonomie der Fotografie auf. Fallbeispiele sind Getty Images, Corbis, die Flickr-Collection by Getty Images und Crowdfunding-Modelle für Fotoreportagen. Der Beitrag ist Teil meines Forschungsprojekt „Image Capture. Arbeits- und Produktionsbedingungen von Fotojournalisten im digitalen Zeitalter“.

Der vollständige Beitrag ist erschienen in: MEDIENwissenschaft 03/2016, Rubrik „Perspektiven“, S. 274-296. Download hier.

Weitere Informationen zu meinem Forschungsprojekt „Image Capture. Arbeits- und Produktionsbedingungen von Fotojournalisten im digitalen Zeitalter“ entnehmen Sie bitte der Rubrik „Forschung“ der Fachzeitschrift Fotogeschichte, Heft 138, 2015, S. 75, sowie online hier.

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© fudowakira0, CC0-Lizenz, pixabay

GfM-Jahrestagung 2016 ‚Kritik!‘ / Panel der AG Fotografieforschung ‚Fotografie als selbstkritische Praxis‘ – 30.09.16, 14h00

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft zum Thema ‚Kritik!‘ an der Freien Universität Berlin vom 28.09. – 01.10.2016 findet am Freitag, 30.09., von 14h00 bis 16h00 in Raum A (L 115) das Panel der AG Fotografieforschung mit dem Thema ‚Fotografie als selbstkritische Praxis‚ statt.

Nähere Informationen zur Jahrestagung:
http://www.gfm2016.cinepoetics.fu-berlin.de/

Das Panel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Kritik am Medium dadurch verändert, dass man sie medienpraktisch betreibt. Wird die Kritik durch die dabei entstehenden Paradoxien ihrer Plausibilität beraubt? Oder gewinnt sie gerade besondere Relevanz, weil sie zugleich die Möglichkeit einer anderen Praxis aufzeigt? Um dies genauer einzuschätzen zu können werden u.a. zwei Ansatzpunkte fotografischer Selbstkritik unterschieden. Zum einen kann es ihr um die spezifischen, oft ontologisierten Grenzen des Mediums gehen. So kann die fotografische Serie als Kommentar zur Fragmentarität des Einzelbildes verstanden werden, eine Retusche oder digitale Überarbeitung eines Bildes als kritische Anzeige der Defizite fotografischer Bedeutungsstiftung (wie etwa bei Andreas Gursky). Zum anderen kann sich die Selbstkritik des Mediums auf eine aktuelle oder vergangene Praxis des Mediums richten. So positioniert sich Sherrie Levines Serie After Walker Evans etwa kritisch in Bezug auf die Fetischisierung des vintage prints, wie sie für den Kunstmarkt charakteristisch ist. Internet Memes können wiederum als populäre, parodistische Form der Dekonstruktion fotografischer Ikonen gelten. Auch wenn selbstkritische Reflexionen der Fotografie typischerweise im Rahmen von Kunst anzusiedeln sind, lassen sie sich auch in populären Formen wiedererkennen. In jedem Fall geht es darum, Formen, Situationen und Kontexte zu identifizieren, die eine selbstkritische fotografische Praxis sowohl markieren als auch ermöglichen.

Abstract des Panels:
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Panel-Programm:
Chair(s): Jens Ruchatz (Philipps-Universität Marburg), Kay Kirchman (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen), Andreas Sudmann (Freie Universität Berlin)

– Stockphotography in der Selbstkritik? Zur Bildpraxis des Kunstkollektivs DIS
Susanne Holschbach, Universität der Künste Berlin

– Zwischen Kritik und Neu-Konfiguration: Hito Steyerls und Martha Roslers dokumentarische Theorien und Praxen
Daniel Bühler, Brandenburgische Technische Universität

– Selfies, die Selfies kritisieren: Formen und Funktionen
Rainer Hillrichs, Universität Mannheim

Panel-Programm mit Vortrags-Abstracts:
Jahrestagung-der-GfM-2016-Panel-Fotografieforschung

Nachlese zum Workshop „Methoden der Fotoanalyse“

Am 1. und 2. Juli fand an der Universität Erlangen-Nürnberg der Workshop „Methoden der Fotoanalyse“ statt, der von der AG Fotografieforschung gemeinsam mit dem in Erlangen angesiedelten Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen Zentrum ausgerichtet wurde. Freundlicherweise hat Anna Zeitler vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft in Erlangen einen Tagungsbericht zusammengestellt, der für die Anwesenden wie  Nicht-Anwesenden zusammenfasst, welche Fragen der Workshop in den zwei produktiven Tagen mit welchem Ergebnis diskutiert hat.

Den Tagungsbericht finden Sie hier: Workshop Fotoanalyse – Nachlese.

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit und die Sehnsucht nach der fotografischen Wahrheit

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Website des Fotoateliers „slow photography berlin“ von Oleg Farynyuk

In Zeiten der digitalen Kultur 2.0 blüht das Hipstertum, das nicht nur dem Vollbart eine Renaissance verschafft, sondern auch alte, umständliche und daher in vieler Hinsicht zurecht abgelöste Technologie wieder entdeckt. Dahinter steckt die – wenn auch in der Regel unreflektierte – technik- und medientheoretische Einsicht, dass sich die Wahl der Technik in das mit ihr Hergestellte einschreibt. Im Kontext dieser Technik-Nostalgie stößt man nun offensichtlich, wie ein von Hannes Vollmuth am 30. Juli diesen Jahres in der Süddeutschen Zeitung publizierter Artikel berichtet, in Berlin – wo auch sonst? – auf einen Porträtisten, der sich des Nass-Kollodium-Verfahrens bedient, jenes aufwändigen Prozesses aus dem 19. Jahrhundert also, bei dem das Herstellen der Platte, die Aufnahme und deren Entwicklung in einer Kette flüssig aufeinander folgen müssen. Nach Stephan Jacobs, Alex Timmermanns oder Borut Pertelin hat also der in Berlin lebende Ukrainer Oleg Farynyuk das Nass-Kollodium für sich entdeckt. Was mich an diesem Phänomen interessiert, ist nicht die nahe liegende Frage, ob das nostalgischer Kitsch sei, sondern das damit verbundene Versprechen einer Fotografie, die zur Wahrheit befähigt sei, weil sie, so Vollmuth, keine Posen zulasse: „Das Gegenteil von Selfie: Eine uralte Fototechnik […] lässt keine Posen zu. Sie zeigt die Menschen, wie sie wirklich sind.“ 30 Sekunden seien zu lange für das Posieren, sodass die für den Fotografen Sitzenden am Schluss auf das zurückgeworfen wären, was sie wirklich seien. Der Porträtfotograf Farynyuk raunt ebenfalls: „Du musst bereit sein für ein Porträt, über das du keine Kontrolle mehr hast.“ Die Fotografie wird also zum Schlüssel, Sichtbarkeiten jenseits des Gewohnten Keep Reading

Fotobücher als multimodale Metaphern – Eine Skizze

Metaphern sind kein sprachliches Phänomen. Metapher sind kognitive Prozesse, die beinhalten, dass Aspekte und Merkmale eines konzeptuellen Bereiches auf einen anderen konzeptuellen Bereich übertragen werden. Das ist die Grundannahme der Conceptual Metaphor Theory (CMT) nach George Lakoff und Mark Johnson (1980, 2003). Konzeptuelle Bereiche sind in diesem Zusammenhang z.B. mentale Repräsentationen und kognitive Schemata. Die kognitive Übertragung kann auf unterschiedliche Weisen realisiert werden, z.B. sprachlich. Sie kann aber auch auf viele andere Weisen realisiert werden, z.B. bildlich, klanglich, geruchlich, haptisch usw.. I.d.R. hat die Übertragung zum Ziel, den Zielbereich (besser) verstehen zu können. Wenn die Bereiche der Übertragungen mindestens mittels zwei verschiedener Modi, d.h. auf zwei unterschiedliche Weisen dargestellt werden, z.B. bildlich und sprachlich, bezeichnet Charles Forceville (2007, 2008, 2009) sie als multimodale Metaphern.

In einem kurzen Essay möchte ich darüber nachdenken, ob die Überlegungen zur multimodalen Metapher für die Analyse von Fotobüchern fruchtbar sein können. Ich nehme an, dass die Betrachtung von Fotobüchern mittels des Ansatzes der multimodalen Metaphern beschrieben und nachvollzogen werden kann. Fotobücher entfalten auf multimodale Weise Bedeutung und Wirkung, d.h. Fotobücher enthalten nicht lediglich fotografische Bilder. Sie enthalten meist Text, haben eine gewisse Größe, einen ausgewählten Einband, gewisses Papier und einen gewissen Geruch. Der Text ist in einer Schriftart gesetzt. Die Bilder sind auf eine gewisse Weise im Buch und auf den Seiten arrangiert. Alle diese Aspekte tragen zur Bedeutung und Wirkung von Fotobüchern bei. Ich denke, dass die Aspekte ebenfalls dazu verwendet werden können multimodale Metaphern zu realisieren. Dabei werden gewisse Eigenschaften und Merkmale eines Bereiches auf die Fotobücher übertragen. Ich gehe in dem Essay zunächst auf die CMT ein. Anschließend beschreibe ich ein Beispiel einer multimodalen Metapher und stelle die Überlegungen zur multimodalen Metapher nach Forceville vor. Zum Abschluss versuche ich anhand von drei Beispielen zu zeigen, dass Fotobücher als Realisierungen multimodaler Metaphern verstanden werden können.

Den Essay können Sie hinter folgendem Link laden:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nkf/article/view/59518

Ich freue mich über Anregungen und Kritik. Gerne als Kommentar an dieser Stelle oder z.B. per E-Mail an: d.buehler at b-tu.de

Workshop 2016 der AG Fotografieforschung „Methoden der Fotografieanalyse“

Am 1. und 2. Juli 2016 findet am Institut für Medienwissenschaft der Universität Erlangen der Workshop „Methoden der Fotografieanalyse“ statt. Neben der AG Fotografieforschung tritt das Interdisziplinäre Medienwissenschaftliche Zentrum in Erlangen als Veranstalter auf.

Ausgehend von der Beobachtung, dass es kaum etablierte Methodiken zur Fotografieanalyse gibt, nimmt sich der Workshop vor,methodische Probleme und Versuche zu ihrer Lösung zu reflektieren. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welche besonderen Anforderungen das Medium Fotografie – in seinen disparaten Ausprägungen – an die Analyse von Bildern stellt. Der technische Charakter des Bildes soll dabei ebenso angesprochen werden wie etwa die Fülle des Bildmaterials.Die eingereichten Themen bilden die Heterogenität des Mediums gut ab und geben so auch Gelegenheit darüber nachzudenken, ob für die Fotografie überhaupt so etwas wie allgemeinverbindliche methodische Eckpfeiler zu identifizieren sind.

Das Programm der Veranstaltung findet sich hier: Workshop_2016_Programm.

Der Workshop legt den Schwerpunkt auf die gemeinsame Diskussion. Daher werden die Papiere den TeilnehmerInnen vorab zur Verfügung gestellt und beim Workshop selbst nur in einem kurzen Impulsreferat noch einmal aufgerufen.Die vorherige Lektüre der eingereichten Papiere bildet mithin die Grundlage der Diskussion.

Der Workshop steht allen Interessierten offen, zur Organisation wird jedoch unbedingt um die vorherige Anmeldung an Anna Zeitler (annazeitler[at]gmx[dot]de) gebeten.

CfP zum Workshop 2016 der AG Fotografieforschung „Methoden der Fotografieanalyse“

Call for Papers für den gemeinsamen Workshop der AG Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft und des Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen Zentrums (IMZ) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Methoden der Fotoanalyse“

Sieht man einmal von Roland Barthes‘ Rhetorik des Bildes (1964) ab, scheint es kaum kanonisierte Methoden der wissenschaftlichen Analyse von Fotografien zu geben. Dies dürfte in vielfacher Hinsicht dem Status der Fotografie als technisch produziertes Einzelbild geschuldet sein, weswegen es gerne unter allgemeine Formen der bildwissenschaftlichen Analyse im Spannungsfeld von Semiotik und Phänomenologie subsumiert oder gleich ganz dem kunstwissenschaftlichen Repertoire (Ikonographie, Ikonologie, Ikonik) überantwortet wird. Dies wird jedoch erkauft durch eine medienwissenschaftlich unbefriedigende Absehung von der fotografischen Materialität und Medialität (und deren historischen Wandlungen). Eine weitere Herausforderung dürfte die hochgradige ‚Träger‘-Flexibilität der Fotografie darstellen, die sich darin äußert, dass ein fotografisches Bild nicht nur in verschiedenen Materialisierungsformen (Papierabzug, Projektionsbild, Display etc.), sondern auch in ganz unterschiedlichen Kontexten (Buch, Zeitschrift, Plakat, digitale Oberflächen etc.) erscheinen kann. Eine Fotografieanalyse, Keep Reading

Ausstellung: Germaine Krull (Berlin bis 31.1.16)

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Germaine Krull: Métal, 1928

Zwei Dinge, die ich an der Ausstellung bemerkenswert fand: Gut ist, zumindest einge aufgeschlagene Bücher und Zeitungsseiten sehen zu können, denn das ist die Form in und für die Krull gearbeitet hat: Typografie, Montage und Narrativierung sind Teil des fotografischen Projekts. (Die Ausstellung bleibt leider am Vintage-Objekt hängen; warum nicht ein Video, in dem die Bücher durchgeblättert werden? Eine digitale Version?) Außerdem wird die feministische Verve Krulls irre fassbar: autofahren, rauchen, Frauen fotografieren. Ihre berühmt gewordenen Porträts späterer Berühmtheiten und die Fotografien, die zu Parismythosmotiven geronnen sind – Eiffelturm in Untersicht, Schaufensterpuppen, clochards, marché aux puces –, haben fast verdeckt, dass Krull z.B. für Vu eine wunderbare Reportage über Arbeiterinnen gemacht hat, in der es irgendwie um Hände geht (1932).

Die Ausstellung wurde von Michel Frizot für das Jeu de Paume konzipiert, ist bis 31.1.16 im Martin-Gropius-Bau zu sehen (Katalog).